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Management komplexer Systeme

Modell- und datenbasierte Verfahren zur Gestaltung und Lenkung komplexer Systeme in Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft

Kurs nur in Deutsch

Semesterwochenstunden:

4

Leistungspunkte:

5

Vorkenntnisse:

Grundlagen der Wirtschaftsinformatik, Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre

Veranstaltungstyp:

Seminar

Semesterturnus:

Wintersemester

Arbeitsaufwand:

150 Stunden, davon:
65 Stunden Präsenz,
85 Stunden Vor- und Nachbereiten des Lehrstoffs und der Seminararbeit

Beitrag zu den Zielen des Studiengangs:

Die Identifikation und Beschreibung komplexer Systemstrukturen fördert das Abstraktionsvermögen und die Analysefähigkeiten. Kenntnisse über das Zusammenwirken von modell- und datenzentrierten Analysemethoden ermöglicht eine evidenzbasierte Gestaltung und Lenkung effektiver und effizienter Informationssysteme.

Lernziel:

Komplexe Systeme von komplizierten und einfachen Systemen unterscheiden können. Verstehen und erklären können, wie sich das Systemverhalten aus zugrunde liegenden Systemstrukturen ergibt. Unterschiedliche Methoden- und Verfahrensklassen zur modell- und datenbasierten Analyse komplexer Systeme kennen und diese im Hinblick auf ihre spezifischen Stärken und Schwächen vergleichen können. Selbst Struktur- und Verhaltensmodelle komplexer Sachverhalte im Rahmen eines iterativen Entwicklungs- und Validierungsprozesses erstellen können. Heuristiken und Lösungsstrategien zur Gestaltung und Lenkung komplexer Systeme kennen und anwenden können.

Schlüsselqualifikationen:

  • Abstraktionsvermögen und Analysefähigkeit durch die Modellierung und Analyse komplexer Systemzusammenhänge
  • Problemlösungskompetenz durch die Anwendung von Modellierungsmethoden zur Reduktion und Beherrschung von Systemkomplexität
  • Präsentationskompetenz durch die Darstellung, Veranschaulichung und Erläuterung komplexer Systemzusammenhänge

Lehrinhalte:

Die Wirtschaftsinformatik beschäftigt sich mit dem Aufbau und der Funktionsweise von Informationssystemen. Kennzeichen von Informationssystemen ist, dass sie Informationen verarbeiten und, sofern sie nicht selbst Teil des betrieblichen Leistungssystems sind, dessen Leistungserstellung planen, steuern und kontrollieren. Aufgrund der starken Vernetzung sozio-technischer Systeme in Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft, ist man bei der Planung, Steuerung und Kontrolle derartiger Informationssysteme auf Modelle angewiesen. Diese Modelle müssen einerseits in der Lage sein, die Komplexität der zu gestaltenden und lenkenden Systeme angemessen zu reduzieren, andererseits dürfen diese Modelle die Realität auch nicht zu stark vereinfachen, damit keine entscheidungsrelevanten Informationen verloren gehen. Um komplexe Systeme effektiv gestalten und lenken zu können, muss man abhängig vom vorhandenen Komplexitätsgrad die richtigen Methoden und Verfahren auswählen. Im Idealfall ergänzen und verzahnen sich hierbei modell- und datenbasierte Analyseverfahren, weshalb sich für dieses Seminar folgende Themenschwerpunkte ergeben:

Modellbasierte Analyse komplexer Systeme:

  • Verhaltensorientierte Modellierungsansätze zur Analyse von Kausalzusammenhängen (System Dynamics)
  • Strukturorientierte Modellierungsansätze zur Erfassung kausaler Infrastrukturen (Objektorientierte Modellierung)

Datenbasierte Analyse komplexer Systeme:

  • Hypothesengetriebene Analyseverfahren zur Überprüfung bereits formulierter Struktur- und Verhaltenshypothesen
  • Datengetriebene Analyseverfahren zur Entwicklung neuer Struktur und Verhaltenshypothesen (z.B. mithilfe von Data Mining-Verfahren zur Segmentierung, Prognose, Klassifikation oder  Abweichungs- bzw. Assoziationsanalyse)

Heuristiken und Managementansätze zum Umgang mit komplexen Systemen:

  • Kennzahlen- und Managementansätze zur Beherrschung und/oder Reduzierung betrieblicher Komplexität (Lean Management, Performance Management-Systeme, Balanced Scorecard)
  • Systemen unterschiedlicher Komplexitätsklassen und der Umgang mit fragilem, robusten und antifragilen Systemen

Seminararbeit mit Vortrag

  • Anfertigung einer Seminararbeit bestehend aus der theoretischen Ausarbeitung eines der oben stehenden (Teil-)Bereiche sowie aus der praktischen Modellierung und Analyse eines Teilsystems aus Wirtschaft, Verwaltung oder Gesellschaft

Literatur:

Coyle, R.G.: Management System Dynamics, London (Wiley) 1977.

Dörner, D.: Die Logik des Misslingens - Strategisches Denken in komplexen Situationen, 5. Auflage, Reinbeck (Rowohlt) 2003.

Forrester, J.W.: Industrial Dynamics, Portland (MIT Press) 1961.

Meadows, D.: Die Grenzen des Denkens. Wie wir sie mit Systemen überwinden können,  München (oekom) 2010

Pyle, D.: Business Modeling and Data Mining, San Francisco (Morgan Kaufmann) 2003.

Schöneborn, F.: Strategisches Controlling mit System Dynamics, Dissertation, Heidelberg (Physica) 2004.

Senge, P.M.: Die fünfte Disziplin, 9. Auflage, Stuttgart (Klett-Cotta) 2003.

Sterman, J.D.: Business Dynamics - Systems Thinking and Modeling for a Complex World, London (McGraw-Hill) 2000.

Taleb, N.N.: Antifragilität. Anleitung für eine Welt, die wir nicht mehr verstehen, München (Knaus) 2012.

Voit, T.: Entwicklung und Überprüfung von Kausalhypothesen, Dissertation, Bamberg (University of Bamberg Press) 2010.

Bemerkungen:

Zu Beginn des Seminars wird es vom Dozenten eine Einführung in die oben genannten Themenbereiche geben. Anschließend bearbeitet jeder Teilnehmer jeweils einen eigenen Themenbereich, erstellt seine Seminararbeit und berichtet am Ende des Semesters im Rahmen eines Vortrags über die Ergebnisse seiner Seminararbeit.

Leistungsnachweis:

Seminarleistung bestehend aus einer schriftlichen Ausarbeitung (20 Seiten) und einem zugehörigen Referat (45 Minuten). Die Gewichtung der schriftlichen Ausarbeitung gegenüber dem Referat erfolgt im Verhältnis 2/3 zu 1/3.

Modulverantwortliche/r:

Prof. Dr. Voit





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